Das Kornwunder

Die Kornlegende

Einst kam über die Stadt Myra und das ganze Land eine große Dürre, die die gesamte Ernte vernichtete. Die Menschen hatten nichts zu essen und überall litten sie großen Hunger.

Eines Tages gingen im Hafen der Stadt Schiffe vor Anker, die alle von unten bis oben mit Getreide beladen waren. Als Nikolaus davon erfuhr, eilte er sofort zum Hafen und sprach zu den Seeleuten: „Ich bitte euch, helft uns in unserer Not! Lasst uns etwas von eurem Getreide hier! Ihr habt so viel davon und die Menschen hier haben schrecklichen Hunger!“

 

Doch die Seeleute mussten ablehnen: „Tut uns Leid, lieber Bischof. Dieses Getreide ist für den Kaiser in seiner Hauptstadt bestimmt. Es ist genau abgewogen und wenn auch nur ein Gramm fehlt, wird er uns fürchterlich bestrafen.“

 

Darauf entgegnete Nikolaus beschwichtigend: „Macht euch keine Sorgen. Gebt uns nur ein wenig, sagen wir hundert Säcke. Bei der Menge, die ihr geladen habt, ist das nichts. Und ich verspreche euch, es wird euch in der Hauptstadt nicht ein Gramm fehlen, sonst will ich nicht mehr Nikolaus heißen!“

 

Da blickten sich die Seeleute gegenseitig an und gaben schließlich nach: „Also gut, Bischof von Myra. Wir geben dir, worum du uns bittest. Aber wir nehmen dich beim Wort!“

 

Und so geschah es. Die Seeleute gaben Nikolaus die hundert Säcke und stachen mit ihren Schiffen wieder in Richtung Hauptstadt in See. Als sie dort ankamen und das Getreide ablieferten, stellten sie erstaunt fest, dass Nikolaus Recht behalten hatte: Es fehlte nicht ein einziges Gramm.

 

Die hundert Säcke Getreide aber, die sie in Myra gelassen hatten, machten die Menschen dort ganze zwei Jahre lang satt und reichten sogar noch für die Getreideaussaat.